IFC-Datenqualität im Griff behalten
Sichern Sie die Qualität Ihrer BIM-Modelle und vermeiden Sie Fehler im Datenaustausch mit Fachplanern und Projektbeteiligten.
IFC ist der zentrale Standard für den offenen BIM-Austausch. In der Praxis entscheidet jedoch die Qualität der enthaltenen Daten über den Projekterfolg. Unklare Bauteildefinitionen, fehlende Attribute oder fehlerhafte Exporte führen zu Missverständnissen und Nacharbeit.
An den Schnittstellen zwischen Planung, Fachplanung und Ausführung entstehen die größten Reibungsverluste. Modelle werden unterschiedlich interpretiert, Informationen gehen verloren oder müssen ergänzt werden. Das kostet Zeit und erschwert eine verlässliche Projektsteuerung.
Hohe IFC-Datenqualität sorgt dafür, dass Modelle eindeutig, konsistent und auswertbar bleiben – als Grundlage für reibungslose Zusammenarbeit und sichere Entscheidungen.
IFC-Datenqualität als Grundlage für funktionierende Zusammenarbeit
Die Qualität Ihrer Daten entscheidet darüber, ob BIM im Projekt funktioniert – oder zum Risiko wird.
IFC ist im Open-BIM-Kontext das verbindende Austauschformat zwischen Architekten, Fachplanern und ausführenden Beteiligten. In der Theorie sorgt der Standard für Interoperabilität. In der Praxis hängt die Nutzbarkeit jedoch vollständig von der Qualität der übergebenen Daten ab.
Fachplaner treffen Entscheidungen auf Basis der gelieferten Informationen. Sind Attribute uneinheitlich, Bauteile falsch klassifiziert oder Geometrien unvollständig, entstehen Interpretationsspielräume. Diese führen zu Rückfragen, zusätzlichen Abstimmungsschleifen und im schlimmsten Fall zu Fehlentscheidungen.
Die Auswirkungen zeigen sich direkt im Projektverlauf. Zeitverluste durch Nacharbeit, unterschiedliche Interpretationen desselben Modells und unsichere Grundlagen für Auswertungen und Koordination sind typische Folgen mangelnder Datenqualität. Was zunächst wie ein technisches Detail wirkt, entwickelt sich schnell zu einem strukturellen Problem im Projekt.
Saubere IFC-Daten schaffen dagegen Verlässlichkeit. Modelle werden eindeutig verstanden, Auswertungen sind belastbar und die Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen funktioniert ohne unnötige Reibungsverluste.
Wo IFC-Daten im Projektalltag scheitern
Diese typischen Fehlerbilder treten regelmäßig auf – oft unbemerkt, bis sie im Projekt spürbare Auswirkungen haben.
Unklare oder fehlende Attribute
Wichtige Informationen sind nicht vorhanden oder uneinheitlich benannt. Dadurch können Bauteile nicht eindeutig ausgewertet oder gefiltert werden.
Uneindeutige Bauteildefinitionen
Gleiche Bauteile werden im Modell unterschiedlich aufgebaut oder beschrieben. Das führt zu widersprüchlichen Ergebnissen bei Auswertungen.
Manuelle Nachbearbeitung nach dem Export
Modelle müssen nachträglich angepasst werden, um überhaupt nutzbar zu sein. Dieser Schritt ist fehleranfällig und kostet Zeit.
Inkonsistente Klassifikationen
Bauteile sind unterschiedlich klassifiziert oder entsprechen nicht den vereinbarten Standards. Das erschwert die Weiterverarbeitung in anderen Systemen erheblich.
Fehlerhafte oder unvollständige Geometrien
Bauteile werden im IFC-Modell nicht korrekt übertragen. Dadurch entstehen Lücken, Überschneidungen oder falsch interpretierte Elemente.
Im Büroalltag zeigen sich Qualitätsprobleme selten abstrakt, sondern in wiederkehrenden, konkreten Fehlerbildern. Viele davon sind zunächst unscheinbar, haben aber im weiteren Projektverlauf erhebliche Auswirkungen.
Das Problem dabei: Diese Fehler werden häufig erst spät erkannt – oft erst dann, wenn andere Projektbeteiligte mit den Daten arbeiten.
Ursachen im Workflow statt im Export
Die meisten IFC-Probleme entstehen lange vor dem Export – im Modell, im Team und in fehlenden Prüfprozessen.
Die zuvor beschriebenen Fehlerbilder wirken oft wie Exportprobleme. In der Praxis liegen die Ursachen jedoch selten im letzten Schritt, sondern im gesamten Entstehungsprozess des Modells. Datenqualität ist das Ergebnis vieler kleiner Entscheidungen: wie Bauteile aufgebaut werden, wie Attribute gepflegt sind, wie konsequent Standards angewendet werden und wie früh Modelle geprüft werden.
Wenn diese Faktoren nicht sauber zusammenspielen, entstehen Inkonsistenzen, die sich im IFC-Export nur sichtbar machen. Der Export selbst ist dabei nicht die Ursache, sondern der Moment, in dem Probleme erstmals eindeutig zutage treten. Wer die Datenqualität verbessern will, muss daher den gesamten Workflow betrachten – von der Modellierung über die Teamarbeit bis zur Qualitätssicherung.
Datenqualität gezielt aufbauen
Nachhaltige Datenqualität entsteht nicht durch Kontrolle am Ende, sondern durch klare Strukturen im gesamten Projekt.
Werkzeuge sinnvoll einsetzen
Tools unterstützen die Datenqualität – entscheidend ist, wie sie in den Workflow eingebunden werden.
Werkzeuge spielen eine wichtige Rolle bei der Sicherung von IFC-Datenqualität. Gleichzeitig liegt ihr tatsächlicher Nutzen nicht in einzelnen Funktionen, sondern in ihrer Einbindung in einen strukturierten Prozess.
Archicad als Datenbasis
Archicad bildet die Grundlage für strukturierte BIM-Modelle. Hier werden Bauteile definiert, Attribute konsistent gepflegt und Klassifikationen vergeben. Durch Vorlagen, Attribute-Manager und klare Modellierungsrichtlinien lassen sich Standards im Team verankern. Für den IFC-Austausch bedeutet das: Exporte werden nicht „korrigiert“, sondern bilden die zuvor sauber strukturierte Datenbasis verlässlich ab.
Im Projektalltag zeigt sich der Nutzen direkt: Wenn Modellstruktur und Attribute in Archicad konsistent aufgebaut sind, lassen sich IFC-Modelle ohne Nacharbeit weitergeben und von anderen Disziplinen eindeutig interpretieren.
Solibri für regelbasierte Prüfung und Qualitätssicherung
Solibri ermöglicht die systematische Prüfung von IFC-Modellen anhand definierter Regelwerke. Prüfregeln lassen sich projektspezifisch konfigurieren, wiederkehrende Checks automatisieren und Ergebnisse nachvollziehbar dokumentieren. Auffälligkeiten werden nicht nur sichtbar, sondern priorisiert und strukturiert auswertbar.
Im laufenden Projekt bedeutet das: Modelle werden regelmäßig geprüft, Abweichungen früh erkannt und gezielt zurück in die Modellierung gespielt. So entsteht ein kontinuierlicher Qualitätskreislauf statt einer einmaligen Endkontrolle.
Integration in den Projektworkflow
In der Praxis greifen beide Werkzeuge ineinander: Modelle werden in Archicad nach definierten Standards aufgebaut, als IFC exportiert und in Solibri regelbasiert geprüft. Die Ergebnisse fließen zurück in die Modellierung und verbessern die Datenqualität iterativ.
Dieses Vorgehen schafft Transparenz und Verlässlichkeit. Fehler werden nicht zufällig entdeckt, sondern systematisch identifiziert, bewertet und behoben – eingebettet in einen klar definierten Prozess statt als isolierter Schritt am Projektende.
Best Practices im Büroalltag
Klare Regeln und konsequente Umsetzung machen den Unterschied im täglichen Arbeiten.
Die Sicherung von Datenqualität ist kein einmaliger Schritt, sondern Teil des täglichen Arbeitens im Projekt. Entscheidend ist, dass die definierten Prozesse im Büroalltag praktikabel und verbindlich umgesetzt werden.
Verantwortlichkeiten klar definieren
Für jedes Projekt sollte eindeutig festgelegt sein, wer für die Qualität der Modell- und Attributstruktur verantwortlich ist. So wird Datenqualität aktiv gesteuert und nicht dem Zufall überlassen.
Modellierungsrichtlinien verbindlich anwenden
Standards entfalten nur dann Wirkung, wenn sie im Alltag konsequent genutzt werden. Klare Richtlinien sorgen für einheitliche Modelle – unabhängig davon, wer daran arbeitet.
Regelmäßige Prüfzyklen etablieren
Kurze, wiederkehrende Prüfintervalle helfen dabei, Fehler frühzeitig zu erkennen. Dadurch bleiben Modelle über den gesamten Projektverlauf konsistent und belastbar.
Frühzeitige Abstimmung mit Projektpartnern
Je früher Anforderungen an Daten und Strukturen geklärt sind, desto weniger Anpassungen sind später notwendig. Das reduziert Reibungsverluste im Austausch deutlich.
Mitarbeitende gezielt schulen
Datenqualität ist immer auch eine Frage des Verständnisses. Schulungen sorgen dafür, dass Standards nicht nur bekannt, sondern sicher im Alltag angewendet werden.
Qualität als festen Prozess etablieren
Datenqualität sollte nicht als Zusatzaufgabe verstanden werden, sondern als fester Bestandteil des Workflows. Nur so bleibt sie dauerhaft stabil und unabhängig von einzelnen Personen.
Datenqualität strukturiert im Büro etablieren
Ein klarer Einführungsprozess schafft die Grundlage für dauerhaft funktionierende BIM-Prozesse.
Title
01 Mar, 2023
Ist-Analyse der aktuellen Situation
Zu Beginn steht die Bewertung bestehender Modelle, Standards und Arbeitsweisen. Dabei wird analysiert, wie Modelle aktuell aufgebaut sind, welche Daten verwendet werden und wo typische Fehler entstehen. So wird transparent, an welchen Stellen im Workflow die größten Optimierungspotenziale liegen.
Title
01 Mar, 2023
Prüfregeln und Standards definieren
Auf Basis dieser Analyse werden klare Anforderungen an Modelle, Attribute und Klassifikationen formuliert. Diese Standards schaffen eine gemeinsame Grundlage im Team und stellen sicher, dass Modelle konsistent aufgebaut und systemübergreifend nutzbar sind.
Title
01 Mar, 2023
Einführung über Pilotprojekte
Neue Prozesse werden zunächst in ausgewählten Projekten getestet. Dadurch lassen sich Erfahrungen sammeln und Anpassungen vornehmen, ohne den gesamten Betrieb umzustellen. Gleichzeitig entsteht Akzeptanz im Team, da der Nutzen direkt im Projekt sichtbar wird.
Title
01 Mar, 2023
Schrittweise Skalierung
Erfolgreiche Ansätze werden anschließend auf weitere Projekte übertragen und weiterentwickelt. Standards werden verfeinert, Prozesse stabilisiert und im Büroalltag verankert, sodass ein einheitliches Vorgehen entsteht.
Title
01 Mar, 2023
Kontinuierliche Weiterentwicklung
Datenqualität ist kein statischer Zustand. Prozesse und Regeln werden regelmäßig überprüft, an neue Anforderungen angepasst und durch Projekterfahrungen weiterentwickelt. So bleibt die Qualität langfristig stabil und wächst mit den Anforderungen des Büros.
Häufige Fragen zur IFC-Datenqualität
Die wichtigsten Fragen aus der Praxis – klar beantwortet.
Was ist IFC und warum ist es im BIM-Prozess so wichtig?
IFC ist das zentrale Austauschformat im Open BIM. Es ermöglicht, Modelle zwischen unterschiedlichen Softwarelösungen auszutauschen. Entscheidend ist jedoch nicht das Format selbst, sondern die Qualität der darin enthaltenen Daten.
Wer ist für die IFC-Datenqualität verantwortlich?
Grundsätzlich liegt die Verantwortung beim Modellersteller. In der Praxis ist Datenqualität jedoch eine Teamaufgabe, die klare Standards, definierte Zuständigkeiten und abgestimmte Prozesse erfordert.
Wie kann ich IFC-Modelle effizient prüfen?
Effiziente Prüfung erfolgt regelbasiert und kontinuierlich im Projektverlauf. Tools wie Solibri unterstützen dabei, Modelle systematisch zu analysieren und Abweichungen frühzeitig zu erkennen.
Warum treten Probleme oft erst beim IFC-Export auf?
Der Export macht bestehende Probleme sichtbar, verursacht sie aber selten. Inkonsistenzen entstehen meist im Modellaufbau oder durch fehlende Standards im Projektverlauf.
Wie hoch ist der Aufwand, Datenqualität im Büro zu verbessern?
Der Aufwand ist überschaubar, wenn strukturiert vorgegangen wird. Ein schrittweiser Einstieg über Pilotprojekte und klare Standards führt schnell zu spürbaren Verbesserungen.
Welche Rolle spielen Schulungen bei der Datenqualität?
Schulungen sind ein zentraler Faktor. Sie stellen sicher, dass Mitarbeitende Standards verstehen und im Alltag sicher anwenden können.
Von der Analyse zur Umsetzung
Übertragen Sie die richtigen Maßnahmen gezielt in Ihren Büroalltag.
IFC-Datenqualität lässt sich nicht pauschal verbessern. Jedes Büro arbeitet mit eigenen Prozessen, Projekten und Anforderungen. Der entscheidende Schritt besteht darin, die passenden Maßnahmen für Ihre konkrete Situation zu identifizieren.



